Sunday, March 26, 2006

GNotary schreitet voran

Von GNotary gibt es einige erfreuliche Nachrichten zu vermelden.
1.) Die XML-RPC Schnittstelle schreitet voran. Was heisst das konkret ? Anders als bisher kann damit in Echtzeit eine Antwort vom Server abgefordert werden. Setzt man E-Mail als Transportmedium ein, ist zwar keine spezielle Clientsoftware möglich aber es entsteht eine zeitliche Lücke die durch das Zustellen der E-Mail bedingt ist. Anders bei XML-RPC. Die Antwort kommt sofort. Es kommt zwar eine spezielle Software zum Einsatz aber übertragen wird lediglich XML. Geplant ist die Offenlegung der Schnittstelle sodass die Zeitstempelfunktionalität in Drittprogramme eingebaut werden kann.
2.) Die zweite Neuigkeit ist, dass GNotary eventuell im Konzept einer dezentralisierten Gesundheitsakte erscheinen wird. Geplant ist das Konzept bis 2009. Eine informelle aber gute Zusammenarbeit funktioniert bereits. Schön, dass OpenSource zumindest in Erwägung gezogen wird.
3.) Wir denken über ein Resellerprogramm nach. Dabei wird in jedem Beglaubigungsauftrag eine Ressellerkennung mit übertragen. Das soll einen Anreiz bilden, eigene Software zu schreiben, die mit dem kostenpflichtigen GNotaryserver kommuniziert. Für jeden vom Kunden abgeschickten Auftrag erhält der Reseller anteilig einen Obulus.

mehr News unter www.gnotary.de

GNUmed unter Windows

GNUmed ist in der Windowswelt angekommen. Der überwiegende Teil der Entwicklungsarbeit findet unter GNU/Linux statt. Es wurde jedoch von Anfang an darauf geachtet, dass die Entwicklung nicht zu plattformabhängig wurde. Genau das zahlt sich nun aus. Durch den Einsatz eines plattformübergreifenden Grafiktoolkits (WxWidgets) wurde erreicht, dass GNUmed auch unter MS Windows läuft. Lange Zeit war für den Bentrieb des GNUmed Datenbankserver der Einsatz von GNU/Linux notwendig. Mit dem Erscheinen von PostgreSQL 8.0 und wxwidgets 2.6.1 sind wir jedoch nativ in der Windowswelt angekommen. Wie bei unzähligen Programmen in der Windowswelt üblich ,ist es nun auch möglich GNUmed mit wenigen Mausklicks zu installieren. Eine Weile hat es gedauert bis auch der Server nativ unter Linux installiert werden konnte. Seit dem 24.3.2006 ist auch das Geschichte. Die Installation kann ab sofort nativ unter GNU/Linux , nativ unter MS Windows oder in einem Mischbetrieb durchgeführt werden.

Die Version 0.2 steht vor der Tür. Viele wichtige Funktionen sind hinzugekommen. Einige dieser Funktionen können nicht einmal etablierte Programm bieten. Hauptaugenmerk liegt sicher auf dem GNUmed Archiv. Damit ist es ab sofort möglich, Papierdokumente in den Computer zu speichern und effektiv damit zu arbeiten. Viele andere Programme bieten ähliche Funktionen aber das GNUmed Archiv ist anders. Durch die konsequente Erfassung von Metadaten wir der Inhalt der Dokumente greifbar. Zusätzlich kann durch die geschickte Nutzung der PostgreSQL-Datenbank ein Abruf von überall da erfolgen wo Netzwerkzugang besteht - vom Notebook beim Hausbesuch, vom PDA oder einfach nur von jedem PC in der Praxis oder zu Hause.

Ein weiteres wichtiges Detail ist die Hilfestellung bei der Beurteilung medizinischer Befunde. So verschwinden Befunde oder Labordaten nicht einfach im Rechner sondern werden aktiv zur Begutachtung vorgelegt. Gespeichert wird sinnvollerweise auch wer wann welches Dokument gesehen und damit ärztlich begutachtet hat.


Es wird noch eine Weile vergehen bevor die Version 0.2 heruntergeladen werden kann. Wenn es soweit ist, wird sich mancher Kollege fragen müssen ob die aktuell eingestzte Software in Teilbereichen mithalten kann.

Friday, March 17, 2006

AlphaGrip AG-5 Tastatur

Schon ewig stört mich die Ineffizienz der Computerbedienung, die dadurch zustande kommt, dass man permanent zwischen maus und Tastatur wechselt.
Computertatstaturen sind an ein Konzept angelehnt, dass erdacht wurde um die mechanische Abnutzung von Schreibmaschinen zu reduzieren. Viele von uns werden Schreibmaschinen allenfalls noch als Staubfänger verwenden. Doch das Tastaturlayout ist geblieben.
Bei einem Streifzug durch das Web bin ich auf eine neue Tastatur gestossen, die es ermöglichen könnte meine Programmierarbeit und das Schreiben von Arztbriefen deutlich zu beschleunigen. Vor allem die lieblos zusammengestrickte Programmsammlung in der Klinik erzwingt ein permantes Wechseln zwischen Tastatur und Maus. Aber auch meine eigenen Programme wie GNUmed ( www.gnumed.org ) sind trotz hoffentlich durchdachter Bedienung auf Maus-Tastaturwechsel angewiesen.
Da kommt die AlphaGrip AG-5-Tastatur zur gerade recht. Zumindest der Test von ars technica macht Hoffnung. Die Integration von Maus und Tastatur ist nicht neu. Der Abschied vom QWERTZ-Layout und damit verbunden ein neuer Formfaktor versprechen mir als Vielnutzer eine neue Effizienz. Die Zeit wird zeigen ob die steile Lernkurve und der Preis sich auszahlen werden.

Saturday, March 11, 2006

EDV im Krankenhaus

Krankenhäuser sind in der Regel Institutionen mit einer Unmenge an Rechnern. Aber wirklich effektiv eingesetzt werden können diese nicht. Es ist grausam wieviel Zeit Ärzten täglich durch hochgradig ineffizient umgesetzte Software verloren geht. Genau diese verlorene Zeit wird entweder zu Überstunden oder geht zu Lasten der Patientenversorgung. Aber nicht nur die Ärzte und Schwestern leiden unter mangelhafter Software. Auch die ohnehin knapp besetzten IT-Abteilungen dekompensieren.
Als Assistenzarzt erlebe ich tagtäglich die Schwachstellen unseres Systems. Gespräche mit einem österreichischen Kollegen haben gezeigt, dass die IT in deutschen Krankenhäusern weit hinter der anderer Länder hinterherhinkt.
Wie kann man die Lage verbessern und so effizienter arbeiten ?
Dem Krankenhausmanagement muss das Problem bewusst gemacht werden. Oft ist gar nicht bekannt, dass es da ein Problem gibt. Denn das Management muss die Software ja nicht bedienen. Und viele Kollegen finden sich mit dem Problem ab. Überstunden werden in der Regel nicht bezahlt und so muss es Ziel jedes Arztes sein, eine bessere IT zu fordern.
Zeitraubend sind viele kleine Dinge. So lässt sich in viele Masken nicht mit der mittleren Maustaste scrollen. Das führt dazu, dass man ständig zwischen Maus und Tastatur wechseln muss. Noch viel gravierender ist, dass man nur eine Instanz des Programms aufrufen kann. Schreibt man also gerade einen Brief, muss man diesen erst beenden bevor man beispielsweise eine Untersuchung für einen Patienten anmelden kann. Eine Sache , die soviele Klicks erfordert, dass es sich am Tag locker auf 15-20min Zeitersparnis bringen liesse. Verbindung zu anderen Programmen ? Fehlanzeigen. Separates Programm für Laborwerte. Separates Programm für Diagnosen. Separates Programm für die Erfassung von Verläufen. Separates Programm für Röntgenbilder. Interaktion ? Fehlanzeige.
Mal eben während des Briefschreibens ein Röntgenbild anschauen ? Hochgradig ineffizient. Geburtsdatum des Patienten raussuchen. Im separaten Programm mühsam eintippen. Patient im separaten Programm auswählen. Röntgenbild raussuchen und anschauen. Übernahme der Befunde geht maximal per Zwischenablage. Umständlicher geht es gar nicht. Mögliche Zeitersparnis pro Tag 5-10min. Abgesehen davon könnte durch eine angenehmere Art und Weise die Bilder anzuschauen auch die medizinische Versorgung verbessert werden.
Von Features wie Befundversand per Fax oder multiuserfähigen Verlaufserfassungsapplikationen oder klinkweiten EDV-gestützten Terminvergabesystemen möchte ich hier gar nicht reden. Das folgt in einem späteren Eintrag.

Sunday, March 05, 2006

PDA im Medizinstudium und in der Klinik

PDAs sind nicht gerade billig. Und besonders schick sind sie meist auch nicht. Nur sehr wenige Medizinstudenten tragen deshalb einen PDA mit sich herum. Völlig anders sieht die Situation aus sobald man als Assistenzarzt Verantwortung übernehmen muss. Dann müssen Entscheidungen gefällt werden. Schon während des PJ experimentierte ich mit PDAs in der Klinik. Die ersten Versuche unternahm ich mit einem IPAQ 3660. Doch dessen Batterie war schwach, der Speicher begrenzt und Funk hatte er auch nicht. Ein Batteriejacket mit zwei CF slots war schnell besorgt aber dadurch wurde der IPAQ nicht leichter.

Dann kam die Assistenzstelle und es musste Ersatz her. Ich war nicht gewillt neben dem PDA, den ich jetzt regelmässig nutzte auch noch ein Telefon herumzuschleppen und so entschied ich mit für einen XDA III (QTEK 9090). Aufgerüstet mit 1GB Speicher war ich fit für den Alltag. Und das Gerät hat sich bewährt.

Empfehlenswerte Programme sind Mobipocket Reader für die Programme EKG und Drug Therapie sowie Arzneimittel pocket (auch als Minibuch bekannt). Daneben finden sich auf den Seiten des ACC die aktuellen Guidelines für alle möglichen Herzrhythmusstörungen. Und nicht zuletzt fand auch noch die komplette Serie Klinikleitfäden den Weg auf den XDA III.

An den Anblick meines XDAIII bei den Visiten haben sich längst alle gewöhnt und so ist der Alltag doch deutlich effizienter geworden. Ein wichtiges Instrument ist noch Skyscape Med Alert. Bei jedem Sync in der Docking station kommen automatisch Med Alerts und aktuelle Studien auf das Gerät. Was mir noch fehlt ist eine Patientenverwaltung aber das gibt unser KIS nicht her.

Open Source macht wirklich Sinn

Im Rahmen meiner medizinischen Doktorarbeit zum Thema Aortenerkrankungen habe ich 3 umfangreiche Programme geschrieben, die auch anderen Forschern helfen können effizienter von der Information zur Auswertung zu kommen. Dabei handelt es sich um die Programme 'geneXplorer', 'histoXplorer' und 'geneCorrelator'. Zusammengenommen ergibt sich ein Satz von Programmen, die von der Datengewinnung am LightCycler über die Datenverwaltung in einer PostgreSQL-Datenbank bis zur automatischen Statistikerstellung alles abdecken.

Aber was hat das mit dem Thema zu tun ?

Nun. Einerseits habe ich meine Programmierkenntnisse endlich einmal einsetzen können, um nützliche Programme für Forscher zu schreiben. Endlich können die sich auf die Forschung konzentrieren. Andererseits ging die Entwicklung nur so gut weil es im Netz unendlich viel Qellcode gibt, den man für eigene Zwecke einsetzen kann. So nutze ich Python, PostgreSQL, Teile von GNUmed, GNU R, Salstat, GNUPlot und viele andere Programme.

Es macht einfach Spass zu sehen wie innerhalb weniger Minuten die Daten aus der Datenbank kommen, für Latex aufbereitet werden, in Diagramme gegossen werden, statistisch geprüft und korreliert werden und druckfertig auf der Platte landen. Und dank der Vorlagen von Latex lässt sich daraus problemlos eine Artikel für ein Journal oder gleich eine Dissertation generieren.

OpenSource macht wirklich Sinn.

GNotary auf dem Linuxtag Chemnitz

Ich wurde als Sprecher auf dem Linuxtag Chemnitz akzeptiert und halte am Sonntag, den 05.03.2006 um 16:00 einen Vortrag über GNotary. GNotary wurde kürzlich auf der LinuxWorld in Frankfurt mit guter Resonanz vorgestellt. Mal schauen was die Community von GNotary hält und ob sich Mitstreiter rekrutieren lassen. Vielleicht bekomme ich eine Chance mal mit den Vertretern von Debian Lex über eine Integration zu sprechen. Ich bin gespannt.

Also wer Zeit hat ist herzlich zum Vortrag in Chemnitz eingeladen. Den Vortrag kann man auch Live über das Netz hören. Die Adresse lautet http://chemnitzer.linux-tage.de/2006/presse/news/streams.html

Die Ankündigung findet sich hier : http://chemnitzer.linux-tage.de/2006/vortraege/detail.html?idx=276

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Update: Ich war nur kurz für meinen Vortrag dort aber der Vortrag kam gut an. Das Konzept von GNotary scheint anzukommen. Im Anschluss hatte ich noch ein konstruktives Gespräch mit einem Österreicher , der sich im Kompetenzzentrum medizinische Informatik mit verteilten elektronischen Gesundheitsakten beschäftigt. GNotary würde da gut ins Konzept passen. Wir werden sehen.